Warum bin ich krank? Was belastet mich?
Was hat schwächt mich, so dass Erreger sich breit machen konnten?
Tieferliegende Ursachen: erkennen und verstehen
Während die klassische Schulmedizin Krankheit meist als nachweisbare Störung von Struktur oder Funktion definiert und Erreger bekämpft, legen komplementäre Verfahren wie Regulationsmedizin, Antonovskys Prinzip der Salutogenese und Reckewegs Homotoxikologie den Schwerpunkt mehr auf Anpassungs-, Regulations- und Bewältigungsprozesse. Komplementär heißt begleitend als Ergänzung und Begleitung zur klinischen Behandlung.
Mit den drei folgenden Ansätzen betrachten wir die „Krankheit“ aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Sie haben eine gemeinsame Grundidee:
Alle drei Ansätze betrachten Krankheit weniger als isoliertes Problem, sondern mehr als einen dynamischen Prozess. Es gibt Gründe, weshalb der Körper macht, was er macht. Diese gilt es zu erkennen und zu verstehen.
Wie verstehen wir Krankheit?
Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Ebenso ist Krankheit oft mehr als nur ein nachweisbarer Defekt, eine Funktionsstörung, ein Befund oder eine Diagnose.
Neben der klassischen Schulmedizin gibt es weitere, ganzheitliche Sichtweisen, die den Menschen als dynamisches System verstehen, das sich ständig an innere und äußere Veränderungen, Stress und
Belastungen anpasst und ihn in der Balance hält.
1. Krankheit als Störung der Anpassungs- und Regulationsfähigkeit
Aus Sicht der Regulationsmedizin verfügt der Körper über vielfältige Regulationsmechanismen, um Belastungen wie Stress, Infekte oder Umweltfaktoren auszugleichen. Gesundheit bedeutet, dass diese
Anpassungs- und Selbstregulationsprozesse ausreichend funktionieren. Krankheit kann entstehen, wenn die Regulationsfähigkeit erschöpft ist und Belastungen nicht mehr angemessen ausgeglichen
werden können.
Hier stellt sich die Frage: was stört das Regulationssystem? Gesucht werden ursächliche Faktoren und Zusammenhänge, um eine Lösung in Richtung Therapie zu finden.
Hier wird Krankheit häufig verstanden als:
Gesundheit bedeutet demnach:
Krankheit bedeutet demnach:
2. Symptome als Ausdruck von Abwehr und Kompensationsvorgängen
Einige komplementärmedizinische Konzepte betrachten Symptome nicht ausschließlich als Zeichen einer Störung, sondern auch als Ausdruck von regulativen Anpassungs- oder immunologischen Abwehrreaktionen, sowie Ausscheidungs- bzw. Kompensationsvorgängen des Organismus. Dabei wird angenommen, dass der Körper versucht, Belastungen, sog.Homotoxine (z.B. durch Erreger, Stoffwechselprodukte, Toxine, Schadstoffe, Allergene) zu bewältigen und sein inneres Gleichgewicht wiederherzustellen. Erst wenn diese Prozesse scheitern oder überfordert werden, können Krankheiten entstehen (Homotoxikologie/ 6-Phasentabelle nach Reckeweg).
Der Organismus versucht nach Reckeweg ständig, Homotoxine:
Beispiele:
3. Gesundheit und Krankheit als kontinuierlicher Prozess
Der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky beschrieb Gesundheit und Krankheit nicht als Gegensätze, sondern als zwei Pole eines Kontinuums. Jeder Mensch bewegt sich ständig zwischen beiden Polen.
Er betrachtete Gesundheit als dynamischen Prozess (Salutogenese=Gesundwerdung). Entscheidend ist dabei, wie gut es gelingt, Herausforderungen zu bewältigen und vorhandene
körperliche, psychische und soziale Ressourcen zu nutzen, um in der Balance zu bleiben. Die Frage lautet daher nicht nur: „Warum wird jemand krank?“, sondern auch: „Was hilft dem
Menschen, trotz Belastungen gesund zu bleiben?“ Gesundheit kann nach dem Prinzip der Salutogenese aktiv gestaltet und beeinflusst werden. Die Entwicklung und Entstehung von Krankheit,
sowie der Verlauf (Pathogenese) wird als Teil des Gesamtbildes (im Kontext) gesehen.
Antonovsky prägte den Satz: " Das Leben ist ein Fluss"
Das Leben ist ein Fluss
Antonovsky nutzte die Metapher des Flusses, um das Leben als dynamischen Prozess zu beschreiben, der beständig der Veränderung unterliegt:
a) Kein sicher am Ufer entlanggehender Weg: Das Leben ist nicht linear oder vorherbestimmt, sondern voller Wechselwirkungen und Unvorhersehbarkeiten.
b) Strömungen und Hindernisse: Der Fluss kann sanft fließen oder zu Stromschnellen, Strudeln und „Steinen“ (Stressoren) führen – von kleinen Alltagsbelastungen bis zu großen Schicksalsschlägen
c) Verunreinigungen und Gabelungen: Auch der Fluss kann „verunreinigt“ sein, und es gibt Abzweigungen, die unterschiedliche Lebensbedingungen bedeuten
„Wie werde ich ein guter Schwimmer?“
Die pathogenetische (klinische) Sicht würde fragen:
"Wie entfernen wir die Steine aus dem Fluss?"
Das ist unmöglich, da sie Teil des Lebens sind.
Die salutogenetische Frage lautet:
"Wie wird man ein guter Schwimmer?"
Zurück zur Balance durch ganzheitliche Vorgehensweise
Ganzheitlich betrachten wir Gesundheit und Krankheit als individuelle Prozesse. Dabei interessieren uns nicht nur bereits gestellte Diagnosen und Befunde, sondern auch die Frage, wie gut Ihr dynamisches System Belastungen bewältigen kann, welche Ressourcen Ihnen zur Verfügung stehen und welche Faktoren Sie belasten und welche Einflüsse Ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden fördern. Ziel ist es diese Hintergründe zu beleuchten und die Zusammen-hänge besser zu verstehen, um nach Möglichkeit eine Veränderung einzuleiten.
Für ein tieferes Verständnis zum Thema Krankheit empfehle ich u.a. Hinweise aus dem Buch "Krankheit als Weg" von Rüdiger Dahlke und Thorwald Dethlefsen behandelt die Bedeutung von Krankheiten und deren tiefere Botschaften für unser Leben. Das Werk ist ein bedeutender Beitrag zur ganzheitlichen Betrachtung von Gesundheit und Krankheit.
Nach weiteren Sichtweisen kann eine Krankheit:
„Geh du vor“, sagte die Seele zum Körper,
„auf mich hört er nicht. Vielleicht hört er auf dich.“
„Ich werde krank werden, dann wird er Zeit für dich haben“,
sagte der Körper zur Seele.
Ulrich Schaffner
„Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.“
Christian Morgenstern
"Die kleine Seele spricht mit Gott: ich bin das Licht."
Neele Donald Walsh
"Nichts ist beständiger als der Wandel"
Die Veränderung ist die einzige Konstante im Leben, da alles einem stetigen
Wandel unterliegt.
"Panta rhei: alles fließt"
Heraklit
Ein Beispiel zum Nachdenken: "Wer heilt, hat recht"
Wenn ich in die Therapeutenrunde (s.Bild unten) fragen würde:
"Hat die Tasse einen Henkel?" Wer würde mit "Ja" oder "Nein" antworten?
Vermutlich würde die eine Hälfte der Therapeuten mit "Ja" und die andere Hälfte mit "Nein" antworten. Wer hat nun recht? Jeder. Aber nur ein bisschen.
Nur weil die eine Hälfte den Henkel nicht sehen kann, heißt es nicht, daß er nicht da ist. Der Henkel ist für die eine Hälfte nicht offensichtlich, aber dass bedeutet nicht, dass er nicht
da ist. Jede Therapieform hat ihre Berechtigung und von ihrer Betrachtungsseite her recht, aber eben nur ein bißchen. Es ist nur ein Teil des
Bildes. Auf die Perspektive und den Blickwinkel kommt es an. Es gilt, offen zu bleiben, Fragen zu stellen, nach Perspektiven und Lösungen zu suchen
und nicht auf festgefahrenen, lehrbuchmäßigen Standpunkten zu beharren oder Recht haben zu wollen. Zusammenarbeit ist gefragt.
Vielleicht ist der Henkel auch gar nicht so wichtig (Erreger), sondern vielmehr die Frage, welcher Inhalt sich in der Tasse befindet (Zellmilieu, Lebensumstände)?